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Profilierung der Innenstadt zum Wohnen, Arbeiten und Leben

Lassen Sie uns eine kleine Zeitreise zurück in das Jahr 1990 machen.
Stendal, große kreisangehörige Stadt und frischgebackenes Mittelzentrum mit Teilfunktion eines Oberzentrum im Norden Sachsen-Anhalts, hatte rund 50.000 Einwohner/innen. Kernkraftwerk, Reichsbahnausbesserungswerk und Energieerzeugung waren trotz des raschen Strukturwandels nach der Wende immer noch die tragenden Wirtschaftssäulen der Stadt und Region - der Ausbau als Verwaltungs-, Dienstleistungs- und Schulstandort stand erst am Anfang.

Die jahrzehntelange Vernachlässigung großer Teile der Altstadt und der Gründerzeitquartiere hatten deutliche Narben im Stadtbild hinterlassen. Mit den sich ausbreitenden Einkaufszentren an der Stadtperipherie hatte die angestrebte zentrale Einzelhandels- und Dienstleistungsentwicklung es schwer, auch aufgrund der erheblichen baulichen Mängel in der Altstadt, sich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten und rasch zu entfalten.

Der Startschuss zur baulichen und nutzungsstrukturellen Profilierung der Innenstadt wurde schließlich im Frühjahr 1994 mit der förmlichen Festlegung als Sanierungsgebiet gegeben. Mit dem Einsatz von Fördermitteln aus Landes- und Bundesprogrammen sowie kommunalen und privaten Investitionen wurden seitdem die Erneuerung und die Revitalisierung der Innenstadt angegangen.

Kehren wir wieder in die Gegenwart zurück. Bei einem Rundgang durch die Altstadt wird deutlich, welche Erfolge wir der intensiven Sanierungsarbeit zu verdanken haben. Die Innenstadt wird als Wohnstandort, Touristenziel, Arbeitsstätte sowie Ort für Kultur und Freizeit immer besser angenommen. Sie hat sich zudem als zentraler Einzelhandelsstandort etabliert.

In Folge des strukturellen Wandels und des damit einhergehenden Wegbruchs einer Vielzahl produzierender Betriebe und der Einstellung der KKW-Baustelle bei Arneburg nach der Wende, hat die Hansestadt Stendal einen erheblichen Einwohnerverlust zu verkraften. Die Zahl der Einwohner hat sich nahezu kontinuierlich bis heute auf 36.000 Einwohner reduziert. In der Konsequenz standen bereits, vornehmlich in den Plattenbaugebieten "Stadtsee" und "Süd" Ende der 90-er Jahre bereits rund 6.000 Wohneinheiten leer. Mit der Abwanderung meist jüngerer Einwohner geht zunehmend ein demografischer Wandel (Überalterung der Bevölkerung) in der Hansestadt Stendal aber auch in der Region einher.

2001 hat der Stadtrat der Hansestadt Stendal zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Wohnungsmarktes, im Rahmen der Beschlussfassung zum Stadtentwicklungskonzept, unter Aufgabe des Stadtgebietes "Süd" den Rückbau von rund 6.000 Plattenbauwohnungen zugestimmt. Für die Altstadt nebst Bahnhofsvorstadt wurden als wesentliche Ziele die im Rahmen der Sanierung eingeleitete Stärkung bzw. Fortentwicklung als Wohn-, Dienstleistungs- und Einzelhandelsstandort weiter präferiert.

Zwischenzeitlich wurden mit Mittel aus dem Fördermittelprogramm "Stadtumbau Ost" von den größten Wohnungsvermietern rund 4.300 Wohneinheiten zurückgebaut.

Auch wenn durch die konsequente Umsetzung der gesteckten Ziele, im Umkehrschluss die Einwohnerzahl im Altstadtbereich kontinuierlich zugenommen hat, ist die bis zum Jahr 2025 für die gesamtstädtische Entwicklung weiterhin prognostizierte Bevölkerungszahl von wesentlicher Bedeutung.

Jedoch ist auch bei wachsenden Einwohnerzahlen im Altstadtbereich, die gesamtstädtische Entwicklung zu beachten. So wird sich auch in diesem Stadtteil der Bevölkerungsrückgang und die Änderung der Altersstruktur der Einwohner bemerkbar machen. Deshalb wurde die "Profilierung der Innenstadt zum Wohnen, Arbeiten und Leben" ein zentraler Aufgabenpunkt im Rahmen der Internationalen Bauausstellung. So stellt sich die Frage: "Wie kann die Altstadt im Jahr 2025 im Hinblick auf die demographische Entwicklung als Sieger aus der Situation herausgehen?"

Tatsachen muss man kennen, bevor man sie manipulieren kann.
Unter diesem Motto wurde im ersten Arbeitsschritt eine Stärken- aber auch eine Schwächenanalyse der Altstadt durchgeführt. Als Ergebnis aus dieser wurden die Arbeitsfelder Wohnen, Handel und Gewerbe als prioritär eingestuft. Hieraus entwickelten sich drei Leitbilder für die weitere Entwicklung dieses Stadttteils:

1. Profilierung als Zentrum der öffentlichen Daseinsvorsorge für die Hansestadt Stendal
2. Profilierung als attraktiver Wohn- und Lebensraum einer aktiven Bürgerschaft
3. Profilierung als öffentlicher Raum für unterschiedlicher Generationen und Kulturen.

Aus diesen sind die vier Arbeitsfelder entstanden:
- Vermarktungsstrategie für Baulücken und Gebäude ohne Nutzung; Bauherrenunterstützung
- Stärkung der Bürgerschaft und der Daseinsvorsorge: Bereich Bruchstraße / Priesterstraße
- "Zurück in die Mitte" - Überprüfung der Bauleitplanungen der Hansestadt Stendal
- zentraler Ort im ländlichen Raum - Standortdefinitionen für unterschiedliche Aspekte der Daseinsvorsorge



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