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Söhne & Töchter der Hansestadt Stendal

Herausragende Menschen fanden und finden immer wieder ihre Wurzeln in dieser Stadt. Einige Frauen und Männer gelangten dabei sogar zu nationalem und internationalem Ruhm. 12 dieser Persönlichkeiten werden im neugestalteten Bahnhofstunnel des Stendaler Hauptbahnhofs vorgestellt.

  • Stendaler Bürgerrechtler

    Erika Drees

    15.09.1935 - 11.01.2009

    Erika Drees war ein Kriegskind dessen Vater als Wehrmachtsoffizier 1944 im 2. Weltkrieg gefallen war. Während der turbulenten Nachkriegszeit musste sie zunächst gemeinsam mit dem Rest ihrer Familie flüchten. Hierbei verlor Erika Drees eines ihrer vier Geschwister, was sie bis an ihr Lebensende prägen sollte. Forthin setzte sie ihre ganze Kraft für eine friedliche Nachkriegsgesellschaft ein, was ihren Lebensweg als Friedens- und Umweltsaktivistin vorzeichnen sollte.

    1975 zog die mittlerweile promovierte Ärztin von Bernburg nach Stendal und fand zusammen mit ihrem Ehemann und den drei Kindern eine neue Heimat hier in der Altmark. In der Kreispoliklinik Stendal übernahm sie die Leitung der Abteilung für Psychiatrie und Neurologie. Auch nach der deutschen Wiedervereinigung machte sie sich in diesem Sektor weiter verdient und wechselte 1992 in das Krankenhaus Uchtspringe, wo sie die Leiterin der Tagesklinik in Stendal wurde. Ihr eigens entwickeltes Modellprojekt zur kombinierten Leitung von Tagesklinik und sozialpsychiatrischen Dienst sorgte bundesweit in Fachkreisen für Interesse.

    Zu regionaler Prominenz gelangte sie jedoch schon eher, da ihre gesellschaftspolitischen Verdienste unvergessen sind. Bereits zu DDR-Zeiten war sie eine unbeugsame Kämpferin für Umweltschutz und engagierte sich gegen Atomkraft. Auf der 1. Mai-Demonstration 1988 in Stendal erschien sie mit einem Plakat mit der Ausschrift "Für atomwaffenfreie und kernkraftfreie Zonen in Europa, denn KKWs sind Zeitbomben." Eine gewagte Provokation, die der unbeugsamen Frau prompt einen Verhör durch die Stasi einbrachte. Weitere Verhöre folgten, denn sie gehörte am 10.09.1989 zu den DDR-weit 30 Erstunterzeichnern des Gründungsaufrufs zum Neuen Forum.

    In den verschiedensten kirchlichen und politischen Gruppen engagierte sich Erika Drees bis kurz vor ihrem Tode für freie Bürgerrechte. An ihr beherztes Engagement erinnert bis heute eine Gedenktafel am Stendaler Rathaus.

    Peter Schmidt

    1941 - 09.11.2002

    Peter Schmidt wurde in Gardelegen geboren und blieb Zeit seines Lebens der Altmark treu. Er lernte das Handwerk eines Bunt- und Samtwebers und fand nebenbei noch Zeit für ein Studium der Ingenieurs-Ökonomie. Er galt als DER Multiplikator für die Botschaft des Neuen Forums in Stendal. Mit Erika Drees war er über den Domkreis bekannt und als sie ihm von der neuen Organisation für Bürgerrechte erzählte, war er sofort Feuer und Flamme. Er warb massiv für das Forum in Stendal und aktivierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter weit über die Stadtgrenzen hinaus.

    Am 06.11.1989 hielt Peter Schmidt die Hauptrede auf dem Stendaler Marktplatz. Seine Weggefährten damals sagten, dass er sich schon traute laut auszusprechen, was viele von ihnen bislang nur leise zu denken wagten. Ein Passus seiner Stasi-Akte zeigt, um was für einen grundehrlichen und unerschrockenen Menschen es sich handelte, dessen Name zusammen mit dem von Erika Drees auf einer Gedenktafel am Rathaus zu finden ist. Dort erzählte Peter Schmidt den Stasi-Offizieren unerschrocken, dass er mit Leib und Seele hinter dem Neuen Forum stehe und ihn niemand davon abbringen könne. Für ihn sei dies die einzige Sache die noch hilft. Das Protokoll der Befragung unterschrieb er und ergänzte es um die Bemerkung, dass er der Feststellung, es bestünde kein gesellschaftlicher Bedarf für diese Organisation, entschieden widerspreche. "Das entscheide ja wohl nicht der Herr Miehlke. Das bestimmen wir."

    Peter Schmidt starb am 09.11.2002, dem Jubiläumstag des Mauerfalls, an einem Herzinfakt.

  • Marie Judith Faucher

    18.01.1750 - 12.10.1838

    Auch wenn über die erste Lebenshälfte der gebürtigen Magdeburgerin nur wenig bekannt ist, hat Marie Judith Faucher doch viel Gutes in der Hansestadt Stendal hinterlassen und gilt als eine frühe Vorkämpferin für die Rechte von Frauen und Mädchen.

    Im Jahre 1791 wurde sie als Konventualin mit reformierter Konfession für das damalige Kloster St. Katharinen bestätigt. Was sie von den anderen Ordensschwestern abhob und weshalb sie uns auch heute noch bekannt ist, war ihr Einsatz für die Bildung junger Mädchen. Während ihrer frühen Zeit im Kloster arbeitete sie weiter als Erzieherin und bereicherte das Kloster mit ihrer Expertise in Sachen Jugendbildung. Ihr Wirken in diesen Belangen fand seinen ersten Höhepunkt im Jahre 1798 als auf ihr Beharren hin ein "Erziehungsinstitut der weiblichen Jugend" im St. Katharinenkloster eröffnet wurde. Marie Judith Faucher übernahm die Leitung dieses Instituts und bereitete, zusammen mit ihrer Schwester Susanna Margarethe, die Mädchen Stendals auf die Höhere Schule vor. Diese Bildung blieb nicht nur den Töchtern der gebildeten Stände vorbehalten, sondern wurde auch auch minder wohlhabenden Familien eröffnet. Die schülerstärksten Jahrgänge dieser Klosterschule umfassten bis zu 80 Mädchen.

    Der Antrieb und Elan von Marie Judith Faucher sorgten auch dafür, dass die anderen Konventualinnen sie 1815 zu ihrer Domina, ihrer Klostervorsteherin, weihten.

    Als sie aus Altersgründen die eigenverantwortliche Führung der Schule nicht mehr zu übernehmen vermochte, appellierte sie an die städtischen Ratsherren. Sie war überzeugt: eine eigene Töchterschule sei für eine Stadt wie Stendal untentbehrlich, um sich den modernen Zeiten anzupassen. Weiterhin sollte auf diese Weise der zunehmende Platzmangel im Kloster umgangen werden. Ihrem Anliegen wurde gefolgt, weshalb die Stadt der Schule ab 1. Oktober 1835 Räumlichkeiten im Ratskellergebäude neben dem heutigen Winckelmannplatz zur Verfügung stellte.

    Marie Judith Faucher starb im Jahre 1838 im Alter von 88 Jahren. Ihre Zöglinge und Schutzbefohlene waren voller Liebe und Bewunderung ihr Gegenüber, weshalb sich viele ehemaligen Schülerinnen dafür einsetzten, das Andenken an die erste Leiterin der Stendaler Mädchenschule zu bewahren. Sie sammelten Geld und beschafften somit das Startkapital der Faucher'schen Stiftung. Aus den Zinserträgen der Stiftung sollte jährlich einer bedürftigen und würdigen Schülerin Unterstützung gewährt werden. Die Stiftung wurde 1929 aufgelöst und nach ca. 90 Jahren in den "Rathäuslichen Stipendiumsfond" aufgenommen. Dennoch besteht auch das institutionelle Andenken an Marie Judith Faucher fort, da der Damen-Lions-Club der Hansestadt Stendal diese besondere Frau als Namenspatronin gewählt hat.

  • Luise Mewis

    18.07.1864 - 02.03.1947

    Luise Mewis verbrachte eine eher unscheinbare Kindheit in der Altmark, doch wurde in ihrer zweiten Lebenshälfte als Heimatdichterin und Engagierte aus der Region bekannt. Nach ihrer Hochzeit mit dem Straßenmeister Karl Mewis in Insel (heute ein Ortsteil der Hansestadt Stendal) brachte Luisa Mewis zwei Gedichtbände heraus, die sich einiger Beliebtheit erfreuten. Bereits 1915 erschien "Heideblumen" welches 1930 mit "Heimatzauber, Heimatglaube" ergänzt wurde.

    Im September 1914 gründete sie eine Frauenhilfe und im Oktober des gleichen Jahres wurde der Jungfrauenverein gegründet. Beide Vereine wurden von Luisa Mewis als Vorsitzende geleitet. Über die Vereine wurde das Dorfleben von Insel maßgeblich mitgestaltet und gerade während der furchtbaren Weltkriege eine intensive Soldatenbetreuung durchgeführt. Der Briefkontakt mit den Inseler Soldaten wurde durch diese Vereine koordiniert und auch Weihnachtspakete passierten diese Schnittstelle. Der Verein brachte Lebensmittel zum Bahnhof und verteilte sie an durchfahrende Truppen. Verwundete Soldaten aus dem Stendaler Lazarett wurden von Frau Mewis eingeladen und mit kulturellen Darbietungen des Frauen- und Jungfrauenvereins unterhalten.

    Und auch nach Ende des Krieges sollte das Engagement von Frau Mewis nicht enden. Mit der Denkmalpflege, der Beschaffung neuer Glocken für die Inseler Kirche, Vereinsfeiern und Kulturfesten eroberte sie die Herzen ihrer Mitmenschen. Mit ihren vielfältigen Aktivitäten wurde sie zu einer bekannten Patriotin, auch über die Grenzen der Altmark hinaus. Wegen ihrer empathischen Art und der nachhaltigen Gestaltung des Dorfes erinnert heute eine Gedenktafel an der Inseler Kirche an Luise Mewis. Auch eine Straße wurde nach ihr benannt.

  • Ludwig Karl Götze

    15.01.1832 - 13.03.1878

    Ludwig Karl August Götze stammte eigentlich aus Halle und wurde dort als Sohn eines Schumachermeisters geboren. Auch seine Paten waren Handwerkermeister doch mit der Hilfe von Stipendien und viel harter Arbeit gelangte er an eine höhere Bildung. Schon an der Lateinischen Hauptschule der Franckeschen Stiftungen fiel die besondere intellektuelle Begabung sowie die besondere Einsatzbereitschaft des jungen Götze auf, sodass er sogar Privatstunden des Direktors erhielt.

    Es folgte ein Studium an der Universität von Halle in den Fächern Philologie und Philosophie, welches er 1856 erfolgreiche und mit Auszeichnung abschloss.

    Im Herbst 1858 führte ihn sein Weg nach Stendal, wo er für die kommenden 20 Jahre in den verschiedensten Positionen brillieren sollte. Zunächst begann er als ordentlicher Lehrer am Gymnasium in Stendal, wo er fast 5 Jahre blieb und vom Gymnasialdirektor Dr. Krahner eine hervorragende Beurteilung erhielt. Als Ordinarius habe er seine Klasse "mit nie gestörter Sicherheit geführt ... und sich der dankbaren Ehrerbietung seiner Schüler erfreut." Von 1863 bis 1873 wurde er an das neu gegründete Progymnasium zu Seehausen versetzt, wo er seinen ausgezeichneten Dienst fortführte.

    Während all seiner Jahre in Stendal widmete er sich der intensiven Erforschung der altmärkischen Geschichte. 1865 erschien im Stendaler Verlag Franzen und Große sein Buch "Geschichte des Gymnasiums zu Stendal von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart". Die Studien für dieses Werk begannen bei der 1188 erfolgten Gründung des Domstiftes St. Nicolai und der auf 1194 datierten Erwähnung eines "Scholasticus". Dieser war der Aufseher über die Stiftschule und damit der Ausgangspunkt der Stendaler Schulgeschichte.

    Ludwig Karl Götze galt außerdem als eines der produktivsten Mitglieder des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte, einem Verein für regionale Geschichts- und Ahnenforschung. Seine Artikel waren ein prominenter Bestandteil aller Veröffentlichungen des Vereins. Nach umfassenden Studium der Urkunden und Akten im Stendaler Stadtarchiv sowie anderer Museen und Archive, veröffentlichte er sein bedeutendstes Geschichtswerk, welches er dem damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck widmete. Das Werk datierte die urkundliche Ersterwähnung des Dorfes Steinedal auf das Jahr 1022, welches bis heute umstritten bleibt. Dem zum Trotz ist die akribische Genauigkeit der Beschreibung der historischen Ereignisse Stendals unbestritten und anerkannt.

    Götze trat 1873 seinen Dienst als Direktor des preußischen Staatsarchivs an, wo er seine beinahe besessenes Streben nach historischer Ak­ku­ra­tes­se fortsetzte. Seine Geschichte endete tragisch, da sich der getriebene Götze nach vollständiger geistiger Überarbeitung am 13. März 1878 das eigene Leben nahm.

  • Johann Joachim Winckelmann

    09.12.1717 - 08.06.1768

    Der wohl berühmteste Sohn der Hansestadt Stendal. Johann Joachim Winckelmann gilt als der Begründer der Klassischen Archäologie und modernen Kunstwissenschaft. Er wurde am 9. Dezember 1717 als einziges Kind des Schuhmachers Martin Winckelmann und seiner Ehefrau Anna Maria, geborene Meyer in Stendal geboren.

    Anfang 1764 erschien Winckelmanns Hauptwerk, die „Geschichte der Kunst des Alterthums“. Winckelmann hat hier die Entwicklung der Kunst anhand der Abfolge ihrer Stilperioden dargestellt und dies hauptsächlich am Beispiel der griechischen Kunst veranschaulicht.

    Die komplette Geschichte des Stendalers aus einfachen Verhältnissen, der es bis in die höchsten Kreise des Vatikans schaffte, inspirierte sowohl Zeitgenossen, als auch kommende Forscher. Die in Stendal beheimatete, international tätige Winckelmann-Gesellschaft hat sich diesem großen Mann gewidmet und alles über ihn zusammengetragen, das ihn ausmachte. (Website der Winckelmann-Gesellschaft)

  • Irina Korschunow

    31.12.1925 - 31.12.2013

    Als Irina Masterow am 31. Dezember 1925 in der Bismarckstraße 21 in Stendal zur Welt kam, ahnte kaum jemand, dass aus der Tochter eines Fischhändlers einmal eine berühmte Schriftstellerin werden würde. In der evangelischen St. Jacobikirche wurde das Mädchen am 06.06.1926 getauft. Sie besuchte die Volksschule 2 für Mädchen am Mönchskirchhof und wechselte ab der 5. Klasse an das Oberlyzeum in der Blumenthalstraße. Im Dom St. Nicolai wurde Irina am 17.03.1940 konfirmiert und legte in ihrer Geburtsstadt 1944 erfolgreich das Abitur ab. Kurze Zeit später verließt sie mit ihren Eltern Stendal um nach dem Krieg im Westen Deutschlands zu studieren.

    Im April 1949 schrieb sie sich in der Universität Göttingen ein und studierte Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte. Nach der Exmatrikulation setzte Irina ihr Studium an der Universität München fort, wo sie 1954 mit Alex Korschunow aus Celle die Ehe einging.

    Als Schriftstellerin und Drehbuchautorin machte sich Irina Korschunow sehr bald einen Namen. Sie schrieb zahlreiche Kinderbücher, Romane und Drehbücher. Gerade erstere hatten eine große Fangemeinde und etwa "Der Findefuchs", "Kleiner Pelz" und die Bände "Die Wawuschels mit den grünen Haaren" erreichten Millionenauflagen. Für Erwachsene schrieb sie erfolgreiche Romane wie "Glück hat seinen Preis", "Der Eulenruf" oder "Das Spiegelbild". Ihren letzten Roman "Langsamer Abschied" veröffentlichte sie 2009 im Alter von 84 Jahren. Für das Fernsehen entstanden unterdessen fünf Drehbücher.

    Für Ihr Schaffen wurde Korschunow mehrfach ausgezeichnet. 1987 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihre literarischen und sozialen Verdienste. Zudem standen in ihrem Preisregal der Tukan-Preis der Stadt München, der Wilhelm-Hauff-Preis, der Hertha-Koenig-Preis sowie der "Silberne Griffel" aus den Niederlanden. Und nicht nur in München, sondern auch in der Hansestadt Stendal wird diese talentierte Frau unvergessen bleiben. 2015 wurde an ihrem Stendaler Geburtshaus in der Bismarckstraße eine Gedenktafel angebracht, die an die Wurzeln dieser deutschen Literaturikone erinnert.

  • Inge Vahle

    06.02.1915 - 26.11.1989

    Ingeborg Vahle-Giessler, oder wie sie meistens einfach genannt wurde: Inge Vahle, war eine Malerin und Grafikerin, deren Schaffen rund um die Hansestadt Stendal im Gedächtnis blieb. Geboren in Krevese, heute ein Ortsteil von Osterburg, hat sie den Großteil ihrer Kindheit aber in Stendal verbracht und hier ihre ersten künstlerischen Schritte unternommen. Für Ihr Studium von 1934 bis 1938 zog es sie nach Berlin und Düsseldorf, wo Inge Vahle unter anderem von Wilhelm Schnur und Paul Bindel ausgebildet wurde. 1938 kehrte sie in ihre Heimat zurück und arbeitete fast 20 Jahre lang als freischaffende Künstlerin tätig war. Ihre großen plastischen, graphischen und textilen Arbeiten waren eng mit der Landschaft rund um Stendal verbunden. Aus dieser Schaffensphase ist auch ein Ehrendiplom des Museums Triennale in Mailand entsprungen.

    1956 zog Inge Vahle nach Darmstadt, wo sie ihr Kunstschaffen nicht nur intensivierte, sondern auch das bis heute bestehende Atelierhaus Vahle gründete.

  • Hans und Eugenia Jütting

    Hans Jütting: 22.09.1909 - 22.09.1999

    Eugenia Jütting: 24.08.1907 - 06.12.2004

    Hans Jütting wird 1909 als Sohn eines Postbeamten und einer Hausfrau geboren. Im jungen Alter von 21 Jahren wandert er mit nur 100$ in den Taschen nach Kanada aus um sein Glück zu suchen. Recht schnell wird er fündig, sowohl beruflich als auch privat. Sein Studium der Nationalökonomie absolviert Hans Jütting an der renommierten McGill-Universität im kanadischen Montreal. Nach dem Studium arbeitet er dort in der Finanzverwaltung. Später ist Hans Jütting als Finanzchef der Ford Motor Company tätig und für das Unternehmen in der ganzen Welt unterwegs. Auf einem Fest lernt Hans Jütting die Pianistin Eugenia Czerny kennen, die in der Musikszene ihrer Zeit schon einige Lorbeeren verdiente. Das Paar heiratet nach kurzer Zeit im Jahr 1933.

    Hans Jütting blieb seiner Heimatstadt indes stets verbunden. Aus der Ferne behielt er sie immer im Blick und besuchte sie auch schon zu DDR-Zeiten regelmäßig gemeinsam mit seiner Frau. Erschrocken über den Zustand der Altstadt - insbesondere seiner Konfirmationskirche St. Katharinen - wollte er helfen und unternahm die ersten Schritte, die zur Gründung der Stendaler Jüttingstiftung führen sollten. Nach langen Verhandlungen mit der DDR-Regierung, in denen er die Unterstützung eines "Klassenfeindes" erklären musste, durfte er im Jahre 1985 endlich für die Erneuerung seiner Heimat spenden. Noch einige Jahre vergingen jedoch, bis am 28. Mai 1994 in Anwesenheit von Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Musikforum Katharinenkirche feierlich eröffnet wurde. Seither finden dort Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Hochzeiten, Empfänge und diverse andere Veranstaltungen statt.

    Die strukturelle Integrität und der reibungslose Ablauf dieser Förderung waren bei weitem kein Zufall. Schon 1937 hatte das Ehepaar eine Stiftung ins Leben gerufen, deren Sitz zunächst in der Schweiz war. Im Jahr 1994 schlug die Geburtsstunde für die Hans und Eugenia Jüttingstiftung in Stendal. Ihren Sitz hat sie mithin im restaurierten Musikforum Katharinenkirche gefunden. Seither widmet sich die Stiftung der Förderung von Musik, Wissenschaft und Bildung. Zu den Aufgaben gehört auch die Versöhnung und Völkerverständigung zwischen Deutschland und Polen. Den jeweiligen Heimatländern von Hans und Eugenia. Die Stiftung vergibt jährlich großzügige Stipendien für Akademikerinnen und Akademiker, sowie talentierte Musikerinnen und Musiker aus Deutschland und Polen. Weitere Informationen und Rahmenbedingungen zu Stipendien können auf der eigenen Website der Jüttingstiftung abgerufen werden.

    Als Anerkennung für dieses herausragende bürgerliche Engagement verlieh die Hansestadt Stendal Hans und Eugenia Jütting bereits 1995 die Ehrenbürgerwürde.

  • Friedrich H. Haacke

    11.01.1824 - 26.12.1899

    Dr. med. Friedrich Hermann Haacke, war der Sohn Dr. Christoph F. F. Haacke und ein Stendaler Arzt, der zwar in Halle seine Doktorwürden verliehen bekam, dann aber schnell zurück in seine Heimat kam. Ein Glück für zahlreiche Menschen, den Friedrich Haacke rettete viele Leben während des Choleraausbruchs im Stendal des Jahres 1873.

    Am 8. August 1873 bricht die asiatische Cholera in Stendal aus und fordert 203 Menschenleben, davon 50 Kinder im Alter von ein bis neun Jahren. Während dieser schrecklichen Epidemie, die durch unsauberes Trinkwasser und mangelhafte Hygiene verursacht wurde, hat sich Dr. Friedrich Haacke als "Choleradoktor" den Kranken und Armen gewidmet. Schlimm muss es den Betroffenen ergangen sein, geplagt von Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sowie einhergehenden Schmerzen. In der gesamten Altmark herrschte Angst vor dieser todbringenden Krankheit.

    Doch bemühte er sich nicht nur für die Cholerakranken, sondern bemühte sich um das Leben in der ganzen Stadt. Insbesondere für den Schulbau und die kulturelle Identität Stendals, setzte er sich beherzt ein. o hat der geheime Sanitätsrat Haacke 1888 den Altmärkischen Museumsverein mitgegründet. Seine wertvolle Münzsammlung schenkte er der Stadt. Sie ist bis heute teilweise erhalten und im Stadtarchiv einsehbar. Mit seiner Frau als Vorsitzende gründete er später den Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz.

    Mit seinen medizinischen Verdiensten machte er sich weit über die Grenzen der Altmark hinaus einen Namen. Von 1877 bis 1894 war er der Kreisphysikus des Kreises Stendal erhielt am Tage seines 70. Geburtstags, dem 11.01.1894, die Ehrenbürgerschaft Stendals. Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt, der Sperlingsbrunnen, wurde zu seinen Ehren errichtet. Er wurde in der Haacke'schen Erbbegräbnisstätte auf dem städtischen Friedhof Stendals beerdigt.

    Sein Vater Christoph Haacke war ein Lehrer, Schulleiter und Philologe, der in der polnischen Kleinstadt Strzelce Krajeńskie als Sohn eines Predigers und Rectors geboren wurde. Er lebte vom 26.01.1781 bis zu 27.06.1855. Ab dem Jahr 1800 studierte er an der Universität Halle Theologie und Philologie und trat dort zunächst im örtlichen Pädagogium als Lehrer ein. Bald nach seinem Abschluss, im Alter von gerade mal 27 Jahren, wurde er an das Gymnasium zu Stendal berufen und wirkte dort zunächst als Rector und ab 1831 als Director. Beinahe 50 Jahre gestaltete er die gehobene Bildung im damaligen Stendal mit und formte Generationen von Heranwachsenden mit. Den Eindruck, den er bei den jungen Menschen erweckt haben muss war ein nachhaltiger, wenn man bedenkt, wie oft bekannte Alumni des Gymnasiums in ihren Berichten und Memoiren ihren alten Schulleiter Christoph Haacke erwähnten.

    Während seiner Zeit am Gymnasium verfasst er zudem Unterrichtsbücher um seine Lehre zu individualisieren. Seine Abhandlungen behandelten unter anderem die griechischen und römischen Altertümer und stellten Bezüge zwischen dem Staatswesen der Antike und demjenigen seiner Zeit her.

    Christoph Haacke besaß ein umfangreiches gefestigtes Wissen in allen aktuellen philologischen Fragen seiner Zeit. Er verfügte über ein sicheres Auftreten und fällte besonnene Urteile über Fachfragen und Schüler gleichermaßen. Als Lehrer und Rector war er von herausragender Tüchtigkeit.

  • Frieda Menshausen-Labriola

    09.12.1861 - 23.11.1939

    Frieda Menshausen wurde als sechstes Kind ihrer Eltern unter dem Namen Friedericke in der Stendaler Weberstraße 358 (heute Weberstraße 5) geboren. Zeit ihres Lebens war sie geprägt von einer großen Reiselust, die sich schon in jungen Jahren manifestierte. Bereits mit 16 Jahren ging Frieda Menshausen nach Kassel und begann an der dortigen Kunstakademie ein Studium der Malerei. Später studierte sie in Weimar, München, Kaulbach und Pigheim. Beinahe selbstverständlich scheint es, dass auch die europäischen Metropolen ihrer Zeit - Berlin, Paris und Rom - Stationen ihres Lebens waren. Am 1.1.1895 gab auch die Stadt Kassel, wo Frieda Menshausen nach wie vor gemeldet war, dieser Ruhelosigkeit nach und meldete sie als "auf Reisen".

    Zu allgemeiner Bekanntheit gelang sie als Portraitmalerin für prominente Persönlichkeiten dieser Epoche. Weiterhin hinterließ sie aber auch Stilleben und Miniaturen. Während ihrer Zeit in Berlin lernte sie den italienischen Diplomaten Alberto Franz Labriola kennen, welche sie wenig später geheiratet hat. Frieda Menshausen-Labriola verstarb am 23. November 1939 in Assisi / Italien.

  • Dietrich von Portitz

    XX.XX.1300 - 16.12.1367

    Die ungewöhnliche deutsch-böhmische Karriere des Dietrich von Portitz, auch als Kagelwitt bekannt, begann im Jahre 1300 in Stendal. Als Sohn eines Tuchmachers geboren, sollte Von Portitz irgendwann zum Erzbischof von Magdeburg aufsteigen, das Erzbistum befrieden und am Hofe von Karl IV. seine Politik mitgestalten. Es gehörte fraglos zu den Mächtigen des Heiligen Römischen Reiches während seiner Lebzeiten.

    In Lehnin trat der junge Von Portitz in das Zisterzienserkloster ein machte als Wirtschaftsleiter mit ökonomisch-glücklichen Händchen erstmals von sich reden. Entscheidend für seinen rasanten Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie war die Ernennung zum Titularbischof von Sarpeta durch Papst Clemens IV. Hierbei schaffte er es, sich die Gunst des Papstes und des damaligen König von Böhmen und späteren römisch-deutschen Kaiser Karl IV. zu sichern. Im Auftrag des zweiten reiste er regelmäßig zur Residenz des ersten. Da die Papstresidenz in Avignon lag, trug auch eine Ausstellung zu Ehren Von Portitz' im Altmärkischen Museum den passenden Titel "Zwischen Altmark und Avignon". Um 1350 kam er nach Prag und wurde enger Ratgeber, Finanzmann, Vertrauter und sogar Stellvertreter des böhmischen Königs. Unter dieser Ägide wurde Prag zur "goldenen Stadt" mit Hradschin, Veitsdom und Karlsbrücke. Bis heute findet sich in der böhmischen Region mehr über ihn in einschlägigen Werken als in Deutschland, da Von Portitz dort für sein segenreiches Wirken im Gedächtnis blieb. Er sorgte für ein friedliches Zusammenleben von Deutschen und Böhmen, was eine der wenigen positiven Phasen in der Deutsch-Tschechischen Geschichte jener Zeit darstellte.

    Da der nunmehrige Kaiser kühne Pläne zum Ausbau des Elbhandels hatte, brauchte er einen fähigen Statthalter am Mittellauf der Elbe und in Nachbarschaft zu Brandenburg. Karl IV. delegierte seinen Vertrauten auf einen einflussreichen Posten nach Magdeburg. Als Erzbischof trieb Von Portitz die ausstehenden Arbeiten am Magdeburger Dom voran und ließ die feierliche Weihe von 1363 prunkvoll gestalten.

  • Adam Ileborgh

    Lebte Mitte des 15. Jahrhunderts

    Während der Blütezeit Stendals lebte und wirkte der Franziskanermönch Adam Ileborgh in der Hansestadt. Seine genauen Lebensdaten konnten bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden jedoch gibt es verschiedene Theorien über seine Herkunft. Am naheliegendsten scheint eine Verwurzelung des Mannes in Ihleburg, dem nördlichsten Ortsteil der Stadt Burg. Doch auch eine Zugehörigkeit zum Adelsgeschlecht der Ilburghs ist durchaus denkbar.

    Sehr sicher ist es, dass er Schreiber, Herausgeber und womöglich auch Komponist einer Orgeltabulatur war, die eines der frühesten Beispiele von Dreistimmigkeit mit Pedalgebrauch, sowie die erste Verwendung von Taktstrichen war. Die Handschrift gilt als eine der ältesten zusammenhängenden Sammlungen von Orgelstücken Deutschlands und beinhaltet 8 Kompositionen. Sie wurde in den 1930er Jahren in den USA wiederentdeckt und wird dort auch heute noch in einem privaten Archiv aufbewahrt.

    Auch wenn nur wenig über ihn bekannt ist, wurde Ileborghs Verdienst von Historikern und Musikwissenschaftlern gleichermaßen gewürdigt. Deshalb tragen heute sowohl eine Straße, als auch das Gebäude der städtischen Musik- und Kunstschule seinen Namen.